Auf
dem Wiener Zentralfriedhof hat an dem heißen Tag des 18. August
2004 eine besonders feierliche und ergreifende Begräbnisfeier der
vor kurzem verstorbenen Prof.
Dr. Gerda Leber-Hagenau stattgefunden. Keiner
der Teilnehmer wird diesen berührenden Abschied vergessen. Neben
der engsten Familie der Verstorbenen, dem Sohn
Titus und seiner Gattin sowie Freunden, nahmen
an der Trauerfeier auch Vertreter der Polnischen Botschaft, des
Wissenschaftlichen Zentrums der Polnischen Akademie der Wissenschaften
in Wien, Mitglieder des PEN-Klubs sowie Persönlichkeiten der Kultur
und Kunst und viele Polen sowie Österreicher teil. Die vielseitige,
schillernde Persönlichkeit, das reichhaltige Schaffen der Verstorbenen
schufen eine besondere Atmosphäre und machten den Trauergästen den
Abschied von der Schriftstellerin besonders schwer. Hochwürden Kanonikus,
Prof. Dr. Bonifacy Miązek,
hat in seiner Trauerpredigt überaus plastisch und detailliert die
künstlerischen und menschlichen Eigenschaften der Verstorbenen hervorgehoben
und ihre Sehnsucht nach dem Schaffen schöner und nachhaltiger Werke.
Tief beeindruckt waren die Anwesenden von den Gedichten Dr. Leber-Hagenaus,
die die bekannte österreichische Schauspielerin Mijou Kovac vortrug.
Die
Ansprache von Prof. Dr. Adam Zieliński,
die er im Namen des Österreichischen PEN-Kubs und aller Anwesenden
hielt, hat die Trauergemeinde zutiefst berührt.
"Gerda"
- wir zitieren Adam Zieliński - "wir alle spüren, dass Du auch
in diesem Augenblick, in dieser Halle mit uns bist. Wir fühlen Deine
Anwesenheit fast physisch - Du schwebst über unseren Köpfen, siehst
uns an! Wie könnte es anders sein, da Dein Charakter es niemals
zuließ, dass Du auch das kleinste Treffen Deiner Freunde übersehen
hast. Stets trieb Dich eine uns unbekannte Kraft dazu, überall zu
sein, überall etwas zu tun, überall etwas zu beginnen. Wir, die
Zielińskis, lernten Dich 1960 kennen und haben sofort verstanden,
dass Du voller Ideen bist, und jede von ihnen wolltest Du noch vorgestern
realisieren. Du hättest in der Zeit der Renaissance geboren werden
sollen: man kann Dich historisch in keiner anderen Epoche platzieren,
da Du Dich gleichzeitig mit Poesie, Prosa, wissenschaftlichen Arbeiten,
Publizistik, Malerei, den schönen Künsten und Tausend anderen Dingen
beschäftigt hast. Dieser Dein Enthusiasmus für Literatur und Kunst
hat dazu geführt, dass wir Dich niemals vergessen werden.
Du
hast es auch unwahrscheinlich gut verstanden, Gerda, Personen um
Dich zu versammeln, sie mit der Begeisterung für Deine Ideen anzustecken,
mit Deinem Optimismus und Deinem Glauben an den Erfolg. So war es,
als Du zusammen mit meiner Frau Zosia im Jahr 1960 an dem Buch "Polen
erzählt" gearbeitet hast, einem Werk, das Dich zum ersten Mal
auf den österreichischen Markt der Nachkriegszeit und in die polnische
Literatur gebracht hat. Wer außer Dir glaubte damals an den Erfolg
dieser Publikation? Aber über alles andere liebtest Du Deinen Sohn
Titus und ich bin davon überzeugt, dass Du mit seinem Namen auf
den Lippen jeden Tag begonnen und Dich mit seinem Namen auf den
Lippen jeden Abend schlafen gelegt hast. Heute - wo Du von uns gegangen
bist - kannst Du mit berechtigter Genugtuung feststellen, dass die
mütterliche Liebe Früchte getragen hat: Titus ist jetzt bei Dir,
mit großer Sorgfalt bereitet er Deinen Abschied vor, erfüllt vorbildlich
alle Aufgaben eines Sohnes, dessen Mutter gegangen ist. Ich persönlich
habe den Verdacht, dass Du Dich als erste aus unserem Kreis in die
außerirdischen Sphären begeben hast, um dort einen runden Tisch
für unsere zukünftigen Diskussionen vorzubereiten, bei denen Du
selbstverständlich den Vorsitz führen wirst. Wie könnte es anders
sein? Schließlich wird jeder von uns Deiner Spur folgen und an diesem
von Dir ausgesuchten Tisch seinen Platz finden.
Ich verabschiede mich heute nicht von Dir, ich sage schlicht und
einfach: "Auf Wiedersehen!"
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