500 Besucher, aber kein einziger
österreichischer Politiker waren gestern bei feierlichen Eröffnung
der Polnischen Kulturtage in den Räumen der Nationalbibliothek in
Wien anwesend. Besonders beachtlich dabei, dass die Großveranstaltung
von dem Internet-Portal "www.autriapol.com"
auf die Beine gestellt wurde. Die polnische Botschafterin Prof.
Dr. Irena Lipowicz, Generalsekretär
Dkfm. Lorenz Fritz von
der Industriellenvereinigung sowie Mag.
Andrzej Lech als Präsident des Forum Polonia
begrüßten die Gäste zu einem abwechslungsreichen Kulturprogramm, unter
anderem mit einer Lesung von Adam
Zieliński, Elżbieta Wiedner-Zając am Klavier, Violinstücke mit Joanna
Mądroszkiewicz sowie einer Gemäldepräsentation
der Malerin Joanna Gleich.
Botschafterin Lipowicz wies auf die vielfältigen langjährigen Beziehungen
zwischen Österreich und Polen sowie umgekehrt hin - zum Beispiel seien
30 Professoren an österreichischen Universitäten Polen. Umgekehrt
ist in Österreich zum Beispiel die Wissenschafterdynastie Estereicher
kaum bekannt, die mehrere Generationen lang in Krakau auch als Kunstförderer
in Erscheinung trat. Insgesamt habe vor allem die politisch begründete
Migration nach Österreich für Polen einen "bitteren Verlust"
gebracht, sagte Lipowicz. Für das auf den Tag vor 3 Jahren gegründete
Internetportal "www.austriapol.com" betonte Mag.
Adam Kiss-Orski gegenüber ORF-Online, dass mit
dem kommenden EU-Beitritt die Bedeutung der Volksgruppe sicher auch
ohne ihre offizielle Anerkennung zunehmen werde.
Botschafterin Irena Lipowicz hatte sich für ihre Begrüßung die Frage
gestellt: "Was bedeutet Bereicherung?" und begrüßte dazu
auch gleich einige Personen im Saal, die "in Konzentrationslager
verschleppt wurden und später mit ganzer Kraft für Österreich gearbeitet
haben und hier auch ihr Glück gefunden haben". Die Auswanderung
in der nächsten Generation habe zwar einen bitteren Verlust für Polen
gebracht, aber eine Bereicherung für Österreich, denn die vor allem
aus politischen Gründen geflohenen Künstler, Ärzte oder Beamten würden
Polen bis heute fehlen. Zusammenfassend meinte die Diplomatin auf
die Xenophobie mancher Österreicher Bezug nehmend, "wir dürfen
uns fürchten, wir dürfen nur das Schlechte erwarten oder wir können
die Menschen begrüßen." Im Übrigen hat ein polnischer Wissenschafter
in einer Studie festgestellt, dass gerade Migranten das Neue beginnen,
nicht nur einen persönlichen Aufbruch wagen, sondern auch wirtschaftlich
neue und oft erfolgreiche Wege beschreiten.
Adam
Kiss-Orski als Gründer des Internetportals. "www.austriapol.com"
steht für eine solche Karriere. Der in Lemberg geborene mehrfache
Fechtmeister und ehemalige Trainer von Fechtmannschaften in Polen,
Tschechien, Österreich und Spanien lebt seit 23 Jahren in Österreich
und betreibt gemeinsam mit seiner Familie und Freunden das Internetportal
als "Hobby eines Pensionisten, dem Geld nicht so wichtig ist
wie das Thema Integration". Kiss-Orski widmet sein Leben den
Beziehungen zwischen Einheimischen und den in Österreich lebenden
Polen - obwohl auch er längst österreichischer Staatsbürger ist. Auf
seiner Webseite präsentiert er allein aus dem letzten Jahr mehr als
fier hundert Reportagen von polnischen Veranstaltungen in Österreich.
Mit dem EU-Beitritt Polens im kommenden
Jahr erwartet er hier für sich noch mehr Arbeit, denn er will das
gesamte EU-Programm des Landes hier präsentieren.
Umgekehrt erwartet Kiss-Orski, dass sich mit dem EU-Beitritt die Situation
der rund 30.000 in Österreich lebenden Polen (12.700 österreichische
Staatsbürger, 17.900 polnische Staatsbürger 2001), sehr rasch deutlich
verändern werde. Dazu will er in seinem Internetportal auch künftig
mehr Gewicht auf die Literatur legen, um damit die Kenntnis der polnischen
Kultur zu vertiefen.
Auf
die verbreitete Unkenntnis über Polen und die Polen in Österreich
hatte auch Industrie-Generalsekretär Fritz in seiner Rede hingewiesen,
der meinte, dass vielfach noch nicht bewußt sei, wer in Hinkunft das
fünftgrößte EU-Land sowohl nach Einwohner wie nach Stimmgewicht in
den EU-Gremien sein werde. Selbst der Schriftsteller Adam Zielinski
("Ich bin ein Galizianer"), der die Forderung nach Anerkennung
der Polen als Volksgruppe bisher vehement unterstützte, sieht einen
solchen Schritt aus der Frage der Akzeptanz nicht mehr vordringlich,
aber "aus der Sicht des Schulunterrichts und für das Gymnasium
z.B. brächte die Volksgruppenanerkenung mehr als nur symbolische Vorteile"
und faßt zusammen: "es hat die Frage der Volksgruppe nicht mehr
die Bedeutung wie vor 5 Jahren". Zielinski betonte aber im Gespräch
mit Karin Steger, der Moderatorin des Abends, er werde seinen Einsatz
für Minoritäten keinesfalls aufgeben, denn "weltweit gibt es
Minoritäten und weltweit werden sie unterdrückt".
Am
1.2.2001 hatte das Bundeskanzleramt den Antrag der Polen durch den
Dachverband Strzecha auf Anerkennung als Volksgruppe zurückgewiesen,
weil "sozialstatistische Analysen ergeben haben, dass mangels
einer langfristigen Kontinuität nicht von einer autochthonen polnischen
Volksgruppe im Sinne des Volksgruppengesetzes gesprochen werden kann".
Die polnische Minderheit in Österreich sei in erster Linie auf jüngere
Zuwanderung zurückzuführen. Im Jänner 1996 hatte Strzecha den Antrag
auf Anerkennung als Volksgruppe gestellt. Die Prüfung des Antrags
hatte 5 Jahre gedauert, wobei der damalige Bundeskanzler Vranitzky
die Zusage für eine Anerkennung bereits im Juli 1996 öffentlich anläßlich
eines Staatsbesuchs in Polen angekündigt hatte. Strzecha - Verband
der Polen - wurde vor 109 Jahren in Wien gegründet.
Bei
der Eröffnung der Kulturtage wurde auch ein neues Buch präsentiert,
das 19 bei www.austropol.com im Internet dokumentierte öffentliche
Auftritte von Adam Zielinski zum Inhalt hat "adam.zielinski.2002"
- zu beziehen direkt bei Austriapol zum Preis von EURO 20,-.
Andrzej
Lech als Präsident des Forum Polonia (Dachverband polnischer Vereine
in Österreich) unterstrich die gute Zusammenarbeit der zahlreichen
polnischen Organisationen, so haben an den Vorbereitungen zum heutigen
traditionellen polnischen Erntedankfest in der Kirche am Wiener Kahlenberg
als Teil der Polnischen Kulturtage 16 Organisationen mitgewirkt. (hk) |